Endlich. The Walking Dead: Episode 2 namens Starved for help ließ ordentlich auf sich warten. Was ärgerlich war, denn von manchen Serien kann man nicht genug bekommen, wie etwa von The Walking Dead. Und das gilt für die TV-Serie ebenso wie für die Episoden aus dem Hause Telltale Games. Erfreulicherweise war bei der zweiten Folge des Spiels der verzögerte Release kein düsteres Vorzeichen für eine schlechte Qualität. The Walking Dead: E2 hält nicht nur die durchweg hohe Qualität der ersten Episode, sondern legt in Sachen Storytelling, Spannung und Technik locker einen drauf. Dabei fühlt sich die Fortsetzung weniger wie ein Anhängsel von Episode 1 an, sondern eher wie die zweite Staffel einer TV-Serie - was nicht zuletzt an Ähnlichkeiten bei der Location liegt. Die Handlungen von S2 der TV-Serie wie E2 des Games spielen größtenteils auf einer Farm.
Der erste Jubel gilt der technischen Umsetzung. Während Episode 1 leider oftmals ein Ruckelfestival war, stockte es bei dem grandiosen Opener im Wald nur ganz leicht. Die zweite Episode lässt sich weitaus flüssiger spielen, wenn auch noch nicht perfekt. Optisch bleibt The Walking Dead Geschmackssache. Der Cell Shading-Look steht dem Spiel weiterhin für meinen Geschmack sehr gut, betont die Nähe zum Comic, ohne aber zu süß, bunt oder unglaubwürdig zu wirken. Wer den ersten Teil nicht spielte und zu Beginn des zweiten glaubte, dass der Cell Shading-Look für ein im Vergleich zur TV-Serie harmloses Vergnügen steht, erlebt bereits in den ersten zehn Minuten sein blaues Wunder. Denn wieder stehen wir vor einer moralisch schweren Entscheidung, wieder müssen wir über Leben und Tod entscheiden. Telltale Games lässt uns perfekt - und unter Zeitnot - spüren, dass es zwischen zwei Möglichkeiten nicht mehr die eine gute oder schlechte Entscheidung gibt, sondern nur die Wahl für die eine oder die andere schlechte Alternative. Da kann es schon mal kalt den Rücken herunterlaufen und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Vorspann nicht einmal begann.
Die Idylle trügt. In dieser Scheune lauern aber keine Untoten. Es gibt gefährlichere Gegner.
Eine große Stärke der zweiten Episode von The Walking Dead ist das Zusammenspiel in der Gruppe. Wie bei der zweiten Staffel einer TV-Serie baut Telltale Games die Geschichte auf den bekannten Konflikten der Charaktere auf. Das schafft Nähe und Tiefe zugleich. Unsere Entscheidungen - bzw. die von Lee - haben immer noch Relevanz. Wer sich mit Larry anlegte, hat ihn in E2 nicht als Freund. Auch Kenny vergisst nicht. Innerhalb dieser wunderbaren Dynamik müssen wir uns mit der streitlustigen und frustrierten Lily herumschlagen, uns in den Dauerkonflikt von Kenny und Larry einmischen und dabei stets die kleine Clementine beschützen.
Dabei läuft es doch - nach dem gruseligen Beginn - eigentlich sehr gut. Unsere Gruppe wird auf eine Farm eingeladen und kann das unsichere Motelgelände verlassen, ausreichend Nahrung scheint vorhanden und die Sicherheit gewährleistet zu sein. Doch, natürlich, stimmt etwas nicht. Unsere Gastgeber sind eine Spur zu freundlich und die Störfeuer von außerhalb der Farm geben uns zusätzlich zu denken. Der eher ruhige Spielaufbau, die ausführlichen und grandios aufgebauten Dialoge sowie die seltenen, dafür aber extrem intensiven Schockmomente sorgen für eine noch ausgefeiltere Mischung zwischen Adventure und Action als in der ersten Episode.
Mahlzeit. Das Abendessen sieht weitaus schmackhafter aus als es ist.
Wobei die Dialoge meinem Gefühl nach mehr Raum einnehmen als in der vorherigen Folge und der Anteil an Rätseln dafür kleiner wurde. Nach dem Erfolg von The Walking Dead: E1 war es eine kluge Entscheidung, den Story-Fokus mehr auf die Gruppe und ihre Beziehungen zu werfen, als weiterhin verstärkt auf das Duo Lee und Clementine zu setzen. Der Gamer bleibt am Ball, wenn die Geschichte weitererzählt und nicht kopiert wird. Trotzdem: Das Zusammenspiel von Lee und Clementine rührt mich und dazu gehört schon einiges - vor allem, weil es so leicht zu durchschauen ist, dass die Entwickler es exakt auf diesen Effekt angelegt haben. Aber da sie ihren Job verdammt gut machen, gefällt auch das Offensichtliche.
Die Story auf der Farm ist dagegen wenig überraschend. Man kann das Treiben dort zwar erahnen, aber es verliert trotzdem keinen Hauch an Spannung. Allerdings führte mich die zweite Staffel der TV-Serie beim spielen in die Irre. Die Scheune im Game wirkte weitaus bedrohlicher, als sie es ist. Und so kann man erfreulicherweise feststellen, dass Telltale Games mit The Walking Dead: E2 nicht nur weiterhin seinen ganz eigenen Weg geht, sondern ihn noch verfeinerte. Die Charaktere wirken ausgefeilter, die Konflikte intensiver und auch die Action und der Horror sind perfekt austariert. Mal schauen, ob die Entwickler bei Episode 3 noch eine Schippe drauflegen können, ich kann den Release jedenfalls kaum erwarten.
Hier geht es zur Review der ersten Episode von The Walking Dead
Hier geht es zur Review der dritten Episode von The Walking Dead
Hier geht es zur Review der vierten Episode von The Walking Dead
Hier geht es zur Review der fünften Episode von The Walking Dead


13 Comments
staR-Kron
auf ne Collection warten oder doch jetzt schon zuschlagen? Man liest ja überall nur Gutes.
Jens
Zuschlagen, zuschlagen, zuschlagen…unbedingt! Jetzt! Sofort!
Roberto
habs mir jetzt für den PC geholt und du bist (u.a.) schuld 😛
Jens
Und dann bin ich (u.a.) auch der, bei dem du dich nach dem Spielen für den Kauf bedanken darfst! 😉
Steam Sale? Ist ja ein guter Preis!
Roberto
sogar noch 2 € billiger als im Steam Daily Special 😀
Jens
Du Fuchs! 😉 $$$
kamil
Bin immer noch sehr skeptisch was das Spiel angeht (ohne es gespielt zu haben). Ich finde die Comics großartig, bin aber gleichzeitig der Meinung, dass die tV-Serie schon nicht mehr ganz so gut ist, wie die Vorlage. Und wenn das ganze dann auch noch als Game verarbeitet wird, da muss ja wieder was auf der Strecke bleiben. Werde es mir wohl erst zulegen, wenn ich das über den Xbox-Marketplace im Angebot bekomme.
Jens
Ja, da bleibt definitiv was auf der Strecke, weil es eine andere Geschichte (im gleichen Universum) und eben ein Spiel ist. Da hast du absolut recht. Aber: Man gewinnt auch was, es ist durch die Interaktivität und vor allem diese ganzen schweren Entscheidungen so verdammt eindringlich auf seine Art. Das musst du abwägen, ich kann es nur empfehlen! Aber ich kann auch verstehen, wenn man es wegen fehlender Nähe zum Original lieber bleiben lässt…
Sven
Wunderbar zusammengefasst!
Die zweite Episode war für mich stellenweise unerträglich. Nicht wegen der Technik oder sonst was, sondern wegen den Entscheidungen. Wo mein Lee während der ersten Episode in jeder Situation schnell reagiert hat, fiel mir das in Episode 2 schon deutlich schwerer. Irgendwie will man es ja allen Gruppenmitgliedern recht machen , wird dafür aber doch wieder zwischen den Fronten aufgerieben - und das ist wunderbar! Weil ich mir dank der nachvollziehbaren Motive der Figuren wirklich Gedanken um ihr Schicksal mache. Da überlege ich lieber zweimal, ob und wie ich auf sie reagiere.
Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich die Entwickler für die nächste Episode nicht wieder so viel Zeit lässt. Sonst vergesse ich wieder die Hälfte meiner vergangenen Antworten und Entscheidungen 😉
Jens
Ja, mir sind die Entscheidungen auch sehr schwer gefallen, dieses Mal. Sei es am Anfang im Wald oder bei der Geschichte mit Larry.
Hast du schon etwas zum Releasetermin gehört? Geplant war ja der Juli, aber ob das hinhaut steht noch in den Sternen, oder?
Sven
Ursprünglich sollten die Episoden ja im Monatsrhythmus erscheinen. Der Juli liegt also nahe. Aber so wie das bei Episode 2 „geklappt“ hat, können wir uns wohl nur überraschen lassen.
Scheinprobleme
Vielen Dank ersteinmal für deinen Kommentar. Wir haben wohl ein ähnliches Fazit gezogen und es ist beruhigend zu wissen, dass auch andere die Wahl zwischen schlecht und sehr schlecht emotional so mitgenommen hat. Der Text fasst es wunderbar zusammen!
Rätsel gab es in der Tat in Episode 2 kaum noch, bis auf das Schaukelzusammenbauen eigentlich nichts Adventure klassisches oder? Und auch das wirkte ein wenig merkwürdig deplaziert. Andererseits war mir es so wichtig, dass ich die Ep noch einmal neu begonnen habe, um die Schaukel fertig machen zu können.
Übrigens ruckelte bei mir Ep 1 überhaupt nicht, Ep 2 dafür umso mehr. Scheint wohl hardwareabhängig zu sein.
Und ich denke ich spreche für alle, die es bereits gespielt haben: Wir wollen Teil 3! 🙂
Jens
Danke auch für deinen Kommentar! Die Schaukel war wichtig (!), sonst hätte Clementine ja gar keine Freude auf Erden mehr…Sie hat es später in der Episode ja noch schwer genug, das arme Ding.
Das zweite „Rätsel“ war noch die Spielerei mit dem Generator, um den Bruder herauszulocken…und dann noch die kleine Geschichte mit der Bücherwand, wo wir den armen Mark finden…aber das war es wirklich schon, oder?
Yep, Episode 3 darf gerne schon heute veröffentlicht werden! 😉