Borderlands 2 macht den Spieler zum Waffennarr, um es positiv auszudrücken. Grund genug, und mit Blick auf das wahre Leben, seine Finger von diesem gewalttätigen Shooter-Machwerk aus dem Hause Gearbox zu lassen. Oder aber man lässt den Aspekt „pädagogisch wertvoll“ einfach mal beiseite, lässt Fünfe gerade sein, bemerkt das Augenzwinkern, mit dem Borderlands 2 entwickelt wurde und hat seinen Spaß mit dem Spiel. Als Ego-Shooter-Sammelsucht-Rollenspiel-Cell-Shading-Abenteuer hat es mich nämlich noch (!) nicht eine einzige Sekunde gelangweilt. Neben der ausgeprägten Sammelleidenschaft, die Borderlands 2 nicht nur dadurch fördert, dass in beinahe jeder Ecke eine mit Loot gefüllte Kiste oder Tonne herumsteht, fasziniert noch mehr die berechtigten Hoffnung, dort neben Munition eine noch bessere Waffe zu finden. Und die dann auch zu nutzen.

Mein Charakter bei Borderlands 2 ist Zer0, der Assassine. Halb Nahkämpfer, halb Sniper-Gott. Deswegen ging mein Blick früh auf die Scharfschützen-Gewehre, die aber nicht sofort auffindbar waren, sondern erst im späteren Verlauf des Spiels durch eine erfolgreiche Mission freigeschaltet wurden. Das gilt übrigens genauso für den Rocket Launcher. Und wie schon früher bei Borderlands ist es eine Freude mit einer Sniper Rifle herumzuballern. Nicht nur, weil mir der subtilere Weg – wenn man es so nennen mag – besser gefällt als mich mit der Shotgun plump ins Auge des Sturms zu stellen, sondern weil der Sound einfach in besten Sinne direkt ins Mark geht. Da kommt kein netter kleiner Plopp, wenn man abdrückt, sondern es wummst richtig. Und zwar bei jeder Sniper anders. Und hier sind wir bei einer der großen Leistungen von Gearbox in Borderlands 2: Die Gewehre und Pistolen sehen allesamt nicht nur anders aus, sondern klingen auch unterschiedlich. Man spürt also, wenn man eine neue Sniper benutzt. Hat sie einen höheren Zerstörungsgrad, knallt es noch lauter und intensiver. Und es wird noch mal eine Schippe draufgelegt, wenn die Waffe über einen Elementareffekt verfügt.

Der Gunzerker, ein sympathischer Knabe. Er kann beidhändig schießen. Nach meiner Runde mit Zer0 ist er mein Favorit für den zweiten Durchgang. Sich mit einer Sniper und einem Rocket Launcher durch Pandora zu pflügen, klingt eigentlich ganz vielversprechend!

Neben den verschiedenen Waffengattungen sind als weitere Unterscheidungsmerkmale die erwähnten Elementareffekte sowie die Stärken und Schwächen der Fabrikate zu beachten. Hergestellt werden die Waffen von den fiktiven Unternehmen Maliwan (Hoher Elementareffekt bei niedrigem Schaden), Hyperion (Hohe Zielgenauigkeit und Schaden bei seltenen Elementareffekten), Torgue (niedrige Feuerrate bei hohem Explosiv-Elementareffekt), Vladof (hohe Feuerrate und seltene Elementareffekte), Tediore (Wegwerfwaffe, die beim Nachladen als Granate eingesetzt werden kann), Jakobs (hoher Schaden, stellt vor allem Sniper und Revolver her, mit Elementareffekten) und Bandit (vergleichbar mit Jakobs, nur mit Rifles und Shotguns). Noch nicht bestätigt hat sich mein Wunsch nach Eridian-Waffen. Sie tauchten im späten Verlauf von Borderlands auf und verschießen eine Art Laser, dessen Energiequelle sich wieder von alleine auflädt.

Ganz nach den persönlichen Vorlieben ergibt sich die Wahl des Fabrikats von alleine. Wer gerne snipert, der landet früher oder später bei Jakobs. Sofern nicht eine der besonderen Waffen, die man etwa einem Boss im Kampf als Trophäe abluchst, noch vielversprechender ist. Neben der Sniper Rifle gibt es noch die Rocket Launcher für den ganz harten Wumms, allerdings auf Kosten der Präzision. Ich nutze sie gerne zur Vorbereitung des harten Kampfes gegen Horden von Gegnern und noch öfter im Fight auf kurzer Distanz gegen einen Boss – wobei Zer0 mit seinen Klingen diesbezüglich kaum Wünsche offen lässt, wenn man ihn nur gut genug im Nahkampf hochgelevelt hat. Das Combat Rifle ist als Sturmgewehr optimal für mittlere Entfernungen geeignet. Für mich ist es der wichtige Notnagel in schwierigen Situationen, wenn die Munition bei der Shotgun oder der Sniper Rifle zur Neige gegangen ist – was in den ersten Spielstunden aufgrund fehlender Möglichkeiten das Inventar zu vergrößern – desöfteren passiert. Mit den Pistolen kann ich nur was anfangen, wenn sie über einen mächtigen Elementareffekt verfügen, ansonsten setze ich im Nahkampf lieber auf die Klingen von Zer0 oder zur Not zur Shotgun oder dem Revolver, denn die höhere Präzision der Pistole ist oftmals gar nicht vonnöten, wenn der Gegner direkt vor einem steht. Daher: Wer nicht Zer0 spielt, sollte auf einen starken Revolver (die machen auch einen feinen Wumms) oder Shotgun achten, um sich auf kurze Distanzen schadlos zu halten. Wobei Siren als Charakter für sich steht, denn sie hat als spezielle Waffe eine modifizierte SMG.

Zer0 ist der agile und wendige Kämpfer. Mit dem Schwert – und in Kombination mit seinem Hologramm – kann er eindrucksvollen Schaden im Nahkampf verursachen, ist aber auch grandios im Umgang mit der Sniper Rifle.

So sehr besonders zu Beginn von Borderlands 2 der Blick bei den Waffen auf den blanken Damage-Wert geht, nimmt spielstündlich die Bedeutung der Elementareffekte zu, die einigen Waffen eine zusätzliche Schadensart hinzufügt. Momentan spiele ich bevorzugt mit einer Sniper von Jakobs mit einem Feuer-Elementareffekt, der besonders im Kampf gegen menschliche und ungepanzerte Gegner seine volle Wirkung entfaltet. Doch ebenso wie es Sinn macht, verschiedene Waffenarten – wie beispielsweise noch eine Combat Rifle und eine Shotgun – im Gepäck zu haben, sollten auch alle möglichen Elementareffekte abgedeckt werden, um die verschiedenen Gegner adäquat bekämpfen zu können. So ist der Schock-Effekt sehr effektiv gegen Schilde, jedoch wird er bezahlt mit einer verringerten Zerstörungswirkung gegen „normale“ Gegner – und ist daher nur in diesen speziellen Situationen meine erste Wahl. Bei den Waffen mit dem Explosiv-Elementareffekt werden Projektile verschossen, die im Körper des Feines explodieren, was gegnerunabhängig wirkt und damit der Allrounder-Elementareffekt ist, der immer eingesetzt werden kann. Übrigens: Gerade bei den Treffern mit Explosiv-Effekt bemerkt man, wie (von Werk aus) geschnitten doch die PEGI-Uncut-Version von Borderlands 2 im Vergleich zur PEGI-Version von Borderlands ist. Denn die harschen Gore-Effekte gibt es in Borderlands 2 nicht mehr zu bestaunen. Sehr nützlich ist dann noch der Korrosions-Elementareffekt: Hier wird dem Gegner bei größerer Verwundbarkeit über eine längere Zeit nach einem Treffer Lebensenergie entzogen, womit sich dieser Effekt an den geduldigen Gamer richtet, der aus der Deckung heraus agiert.

An Abwechslung mangelt es in Borderlands 2 nicht, was die Waffen, ihre Stärken und Schwächen sowie die Effekte betrifft. Jedoch: Das alles gab es schon in Borderlands. Und zwar in gefühlt gleichem Maße (nur uncut in der PEGI-Version). Trotzdem ändert es nichts daran, dass gerade die längeren Missionen, in denen man es mit ganzen Banditennestern zu tun bekommt, am meisten Spaß machen. Mir zumindest. Wenn eine Horde von Selbstmord-Psychos auf einen zugelaufen kommt und man weiß, dass nun bitte schön jeder Schuss mit der Sniper Rifle sitzen muss, steigt das Adrenalin und die Spielfreude. Wobei auch die pelzigen Gegner gerne in Horden angreifen und eine Herausforderung für sich sein können. A propos Gegner: Hier besserte Gearbox nach eigenem Bekunden bei Borderlands 2 mit Blick auf den Vorgänger nach und optimierte die KI. Ob das so stimmt, wird Thema des nächsten Teils des Borderlands 2-Tagebuchs sein.

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