Mit dem Humor in Spielen ist es so eine Sache. Oft ist er gezwungen und nur selten so genial wie etwa bei GTA. Den japanischen Albernheiten,  kann ich bis heute kaum was abgewinnen. Vielleicht  ist die kulturelle Hürde einfach zu hoch. Jedenfalls war die maßlose Übertreibung als Spielkonzept ein Kaufverhinderungsgrund. Bis zu Saints Row: The Third von Volition, Inc. Und das ist wirklich ein ganz besonders abstruser, durchgeknallter, anarchischer und versauter Mist. In bestem Sinne!

Das fängt schon beim Editor an. Mit ihm kann man sich gut und gerne ein Stündchen vergnügen. Wer als Assi mit Wampe und Trainingsanzug in Ballonseide der Held sein möchte, bitte schön, ist kein Problem. Oder als Zombie, das kein verständliches Wort artikulieren kann, sondern nur Klischee-Horror-Gebrabbel von sich gibt. Und wer Lust auf ein besonders massives Gemächt hat, wird ebenso fündig. Der Editor in Saints Row: The Third ist ein großer Laden voller Albernheiten und beklopptem Unsinn und dürfte vielen Gamern besser gefallen als das Spiel an sich. Aber auch das Gameplay hat bei mir einen festen Platz in der Hall of Fame: Denn schon in der ersten Mission darf man sich an derart vielen Gameplay-Elementen versuchen und wird mit so dermaßen bekloppten Situationen konfrontiert, dass ich kaum aus dem Staunen herauskam. Als Beispiel sei nur der minutenlange Shoot-out im freien Fall genannt. Der Baumgartner hat sowas nicht drauf.

Hart ist Knüppel, lang auch. Und violett.

Wer Probleme mit nicht ernst gemeintem Sexismus hat, sollte um Saints Row: The Third einen ganz großen Bogen machen. Es wird mit jedem Klischee dieser Welt nicht nur gespielt, sondern es auch gerne ad absurdum geführt (weswegen das Spiel aus meiner Sicht gar nicht sexistisch ist). Warum zum Beispiel hat unsere krasse Hip-Hop-Macho-Gang diesen seltsamen Faible für „warme“ Farben wie Violett? Auch bei der Mission im BH scheint sich unser Held recht wohl zu fühlen. Da haut man dann auch gerne mal im Nahkampf mit dem Riesen-Dildo um sich. Richtig männlich dürfen schon in der ersten Viertelstunde Fernlenkraketen auf kleine Grüppchen von Schlägern gelenkt werden und kurz danach geht es auch mit dem Düsenjäger zur Sache. Kompromisse gibt es bei Saints Row: The Third nicht. Und wenn sich dann die Spielwelt in einen militaristischen Polizeistaat verwandelt, wird auch das bis ins Letzte umgesetzt.

Jedenfalls habe ich bei keinem Spiel so oft so laut lachen müssen. Dabei merkt man dann kaum, dass es in vielen Passagen eigentlich nur – bei nüchterner Betrachtung – ein Standard-Open World-Game ist. Wenn es nicht eben zwischendurch so richtig rockt. Seien es die C 64-Gedächtnisabenteuer im Pixellook oder die Missionen rund um den Versicherungsbetrug, bei denen man sich in kurzer Zeit so oft wie möglich vor fahrende Autos werfen muss. Vom galaktischen Finale mal ganz zu schweigen.

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