ENDLICH ist es soweit, ENDLICH vergibt mal jemand einen vernünftigen Preis. GameExperience verleiht feierlich seinen Award 2013 unter dem Motto Eine Stimme, klare Meinung, kein Preisgeld in den Kategorien Triple AAA, Indie/Kreativ (?) und nun direkt beginnend mit Spocht. Und da ich meiner Erinnerung nach nur sechs Sportgames des Jahres 2013 ausführlicher spielte, fiel mir als egozentrischem Wahlpublikum das Ranking nicht wirklich schwer. Fangen wir also mit dem Schlusslicht an und arbeiten uns in Richtung Brillanz bis hin zum Großen Preisträger mühselig vor.

Platz 6: Grid 2

Ach, Codemasters. Nie werdet ihr weiter oben landen, wenn ihr es nicht bald gebacken bekommt, NVIDIA-Grafikkarten ordentlich zu unterstützen. Davon mal abgesehen: Nach dem durchaus famosen Race Driver: Grid überraschte mich bei Grid 2 mit Abstand am meisten, dass es so gar keine Überraschung gab. Abgesehen von den fantastischen Lichteffekten und den zwar tendenziös sterilen, aber doch ansehnlichen Kursen fügt Grid 2 dem Genre nichts, aber so gar nicht Neues oder Eigenständiges hinzu. Grid 2 ist leider ein Arcade-Racer von der Stange, wenn auch – zugegebener Maßen – in sich gesehen von recht hohem Niveau. Die größte Leistung bleibt dennoch eine technische: Grid 2 läuft sogar ruckelfrei auf einer Intel HD 4000er und sieht dabei gar nicht mal übel aus. Super.

Platz 5: F1 2013

Ach, Codemasters. Nie werdet ihr weiter oben landen, wenn ihr es nicht bald gebacken bekommt, NVIDIA-Grafikkarten ordentlich zu unterstützen. Aaahhhhhh, ein paradoxer Flashback! Auch F1 2013 zickt auf einer GeForce 680 sowie einer 780 Ti. Pfui. Ansonsten ist F1 2013 ein kleiner Fortschritt gegenüber seinem Vorgänger, vor allem aufgrund der nun wieder spielbaren „echten“ Karriere und einem leicht weicheren Fahrgefühl. Atmosphärisch bietet Codemasters wieder ein gegen Null tendierendes Formel 1-Feeling und lässt diesbezüglich erschreckend viel Luft nach oben. So wird das nix mit dem GameExperience Award 2013. Aber: F1 2013 ist dennoch eine klare Empfehlung, weil der Multiplayer als ein völlig anderes Spiel daherkommt und einige Monate nach Release die Rowdy-Deppen längst weitergezogen sind und die Rennen nun auf einem hohen, schon beinahe professionellen Niveau ablaufen und hochspannend sind.

Platz 4: Tour de France 2013

Yep, genau, Platz 4 geht mit Tour de France 2013 an eine Radsport-Simulation. Warum auch nicht? Cyanide entwickelte mal wieder einen komplexen, anspruchsvollen Manager für den Spieler mit ganz langem Atem. Neben den klassischen, administrativen Aufgaben am Schreibtisch fordern vor allem die einzelnen Etappen und erst recht die großen Rundfahrten den Radsportfreund. Vielleicht bin ich schlechter geworden über die Jahre, aber aus meiner Perspektive war es im hohen Schwierigkeitsgrad von Tour de France 2013 tatsächlich mal wirklich herausfordernd, mehr als einen Blumentopf zu gewinnen. Im Herzen ist und bleibt Tour de France 2013 das Team-Koop-Spiel für den Solospieler schlechthin. Greift im Team ein Rad ins andere, sind die Rollen optimal-effektiv verteilt und das Team kommt mit der richtigen Strategie ins Rollen, versprüht Tour de France 2013 den süßen Duft von Perfektion und Schönheit. Nur leider ist die Saisonplanung viel zu zäh, die Menüführung in den Rennen eine Katastrophe – und deswegen reicht es doch nur für den hässlichen vierten Platz und nicht ansatzweise für den großen GameExperience Award 2013.

tour de france 2013 3Wie schön, wenn es läuft wie am Schnürchen in Tour de France 2013. Auch optisch gibt es tragischere Sportspiele als den Radsport-Manager.

Platz 3: Need for Speed Rivals

DAS wäre sogar schon ein würdiger GameExperience Award-Preisträger gewesen. Die Bronzemedaille ist aber leider enttäuschend virtuell und damit kaum bis gar nicht greifbar. Need for Speed Rivals gibt auf der PS 4 eine verdammt gute Figur ab (pffft, 30 fps) und wohl auf dem PC eine noch bessere. Der Rest interessiert nicht, zumindest nicht mich. Aus meiner Perspektive ist Need for Speed Rivals so etwas wie das DayZ unter den Arcade-Racern. So immersiv, nervenzerfetzend und stressig, dass das Adrenalin Pingpong mit den Blutkörperchen spielt und das Match locker gewinnt. Die Verschmelzung von Solokarriere und Multiplayer lässt dem Spieler alle Freiheiten und das doppelbödige Rennen-im-Rennen-Spielprinzip im Racer-Modus haut einem glatt die Schuhe von den Füßen. Ist ja schön, wenn man ein Rennen gewinnt, bringt aber nichts, wenn nicht anschließend die verdienten Meriten auf der Flucht vor den Cops ins Versteck gerettet werden können. Ist immer gut, wenn es viel zu verlieren gibt. Das Balancing ist – abgesehen vom recht milden Gummiband – perfekt und nun soll noch mal jemand behaupten, das Need for Speed-Franchise wäre tot.

need for speed rivals 1Sieht gut aus und ist hochgradig spannend. Mit Need for Speed Rivals gibt es einen ganz starken dritten Platz bei den GameExperience Awards 2013.

Platz 2: FIFA 14 (PS4)

Und auch Silber geht an EA. Wobei Platz 2 für die PS4-Version dank der Ignite-Engine reserviert wurde und nicht für die PC oder PS3/Xbox360-Pendants. Den Unterschied machen nicht nur bessere Animationen, die knackigere Auflösung, geschmeidigere Bewegungsabläufe und neue Moves aus, sondern das Gesamtpaket inklusive einer mitreißenden Atmosphäre. Das Publikum ist erstmals wirklich vorhanden, man achte mal in Wiederholungen darauf, wie sich die Zuschauer beispielsweise wegducken, wenn ein Ball neben das Tor ging und auf sie zufliegt. Passiert bei mir öfters. Auch das gedrosselte Spieltempo mitsamt intelligenter KI steht FIFA 14 verdammt gut. Der Multiplayer ist eh eine Klasse für sich und funktioniert von Matchmaking bis hin zu den Spielmodi perfekt. Bei FIFA 14 habe ich wirklich nichts zu bemängeln, außer vielleicht, na ja, die Ballphysik. Aber irgendwann, vielleicht in Zeiten einer PS 5, wird das noch was.

FIFA 14 MultiplayerSchade, bis ich es mal gerafft habe, wie auf der PS 4 Screenshots funktionieren, wird auf GameExperience bei PS 4-Spielen mit Promomaterial herumhantiert. Sowas liebloses hat der große GameExperience Award 2013 eigentlich nicht verdient.

Platz 1: Football Manager 2014

Verdammte Hacke, was für ein Brett von einem Spiel! Und sowas von einem großen Schritt nach vorne im Vergleich zum letzten Jahrgang! Der Football Manager 2014 ist episch umfangreich, kleinlich in seinen Einstellungen und dabei bis ins allerallerletzte Mini-Fitzelchen-Detail steuerbar – wobei seine Menüs nur noch halb so dröge sind wie jemals zuvor. Das UI ist im Football Manager 2014 in seiner Schlichtheit wegweisend für solch ein komplexes Spiel und spart in signifikantem Ausmaß Nerven und Lebenszeit des Spielers. Gratulation, Sports Interactive! Ganz weit vorne spielt der 3D-Modus, bei dem neben der verbesserten Defensive vor allem die lernende KI zu Begeisterungsstürmen einerseits einlädt und andererseits Wutausbrüche heraufbeschwört, wenn sich die Gegner ab Saison 2 so verdammt gut auf die antrainierten Taktiken eingestellt haben. Der Football Manager 2014 fordert den Spieler zu jedem Zeitpunkt dazu auf, sein Handeln und seine globalen wie punktuellen Strategien zu überdenken sowie stets flexibel zu bleiben. Das ist ziemlich anstrengend. Und wenn harte Arbeit einen dermaßen großen Spaß macht, gibt es eben unter großem Jubel völlig verdienter Maßen den GameExperience Award 2013 in der hart umkämpften Kategorie Spocht. Applaus, bitte schön.

Football Manager 14 Nimm´das FIFA 14! Sega holt sich den Pott!

Und jetzt werden sich die drölf Trilliarden Leser dieses Blogs natürlich fragen, was es denn so zu gewinnen gibt. Der Wahlberechtigte kriegt schon mal nichts, was mich enttäuscht und traurig macht. Groß rauskommen sollen selbstverständlich Sega und Sports Interactive als strahlende Preisträger und Gewinner des GameExperience Awards 2013 in der Kategorie Spocht und daher erhalten sie die vollen Rechte für die Wiederverwertung und den Druck des von mir höchstpersönlich gestalteten Pokals bzw. des JPEGS, der/das diesen Artikel  so wunderschön verziert. Ich erlaube Sega und Sports Interactive auch – und das jetzt echt mal von ganzem Herzen – den Pott als Siegel oder Abbinder in Mails zu nutzen. Macht doch damit, was ihr wollt. Blöderweise vergaß ich auf meinem Kunstwerk neben der Kategorie Spocht noch GameExperience Award 2013 zu schreiben, was das Ganze irgendwie so schrecklich provisorisch wirken lässt, aber das spare ich mir halt für die nächste Verleihung in der Kategorie Triple AAA auf. Reicht ja auch.