Erst nach rund drei bis vier Stunden konfrontiert uns das von Capcom entwickelte Rollenspiel Dragon´s Dogma mit den ersten vollwertigen Missionen und entfaltet seine Story. Wir kennen nun die Vorgeschichte, haben uns für eine Klasse bzw. Laufbahn entschieden, unsere Fertigkeiten und Fähigkeiten entdeckt sowie im Rift ein Team aus Vasallen gebildet. Das Kampfsystem sollten wir besser schon verinnerlicht haben, um nicht in den folgenden Gefechten böse auf die Nase zu fallen und wertvolle Lebenszeit zu vergeuden. Denn – soviel sei jetzt schon gesagt – Dragon´s Dogma bestraft euch hart für verlorene Schlachten.

Nachdem wir, der Hauptstory folgend, im Lager alle Aufgaben erledigten, geht es zurück ins Fischerdorf. Dort treffen wir auf einen alten, abgefuckten Jedi-Ritter (nein, es ist natürlich keiner, er sieht nur so aus), der uns ziemlich plump von unserer Anziehung zum Drachen berichtet (von der wir nicht viel bislang spürten). Zudem erwähnt er, dass die Menschen nur Opfer sind, egal wie mutig sie kämpfen. Ende des Auftritts. Ganz ehrlich, ein bisschen schmunzeln musste ich schon und das leider auch an späteren Stellen der nicht weiter gespoilerten Handlung. Zwischen den Zeilen passiert sehr wenig, denn leider werden uns weitreichende Tatsachen im Spiel frontal vor die Füße gepfeffert – was wir dann bitte schön hinzunehmen haben. Was die Atmosphäre rund um die Story betrifft, reicht Dragon´s Dogma nicht annähernd an Skyrim heran. Wer sich dort auf den Weg zum Hals der Welt aufmacht und zum ersten Mal den weisen Paarthurnax antrifft, entwickelt zu den Drachen ein subtiles und abstrakt-inniges Verhältnis zwischen den Zeilen – was ich weitaus mehr schätze als ein mit dem Holzhammer auf den Boden geschmettertes Ausrufezeichen.

Sind die Fertigkeiten der Party nicht des Gegners würdig, solltet ihr die Füße in die Hand nehmen und später wiederkommen.

Eine Stärke von Dragon´s Dogma ist dagegen die latente Unwissenheit bei jeder potenziell gefährlichen Mission bezüglich ihres Schwierigkeitsgrades. Die Gegner leveln nicht mit hoch, sondern verfügen über eine festgelegte Stärke. Was bedeutet, dass wir im späteren Verlauf eher mal lächerlich leichte Kämpfe zu bestreiten haben und zu Beginn ordentlich auf die Nase bekommen. Spätestens wenn einer eurer Vasallen lauthals „Der Gegner ist im Vorteil“ brüllt, solltet ihr den Kampf abbrechen und notfalls sogar die Vasallen opfern. Im Rift könnt ihr ohne weitere Probleme zwei neue Vasallen engagieren, während der Hauptvasalle nach Berührung des Riftsteins wieder aktiviert wird.

Warum es Sinn macht, seine Vasallen derart herzlos (Achtung, ein Wortspiel!) über die Klinge springen zu lassen, liegt in der abgrundtiefen Bösartigkeit von Dragon´s Dogmas Speichersystem begründet. Das Spiel speichert an sich sehr oft euren Spielstand ab. Zum Beispiel beim Betreten wie beim Verlassen des Fischerdorfes, gerne auch grundlos zwischendurch im Hintergrund. Jedoch: Sterbt ihr im Kampf, müsst ihr entweder bei eurem letzten Besuch des Übungsplatzes oder des Gasthauses wieder beginnen. Bei meiner ersten krachenden Niederlage im Brunnen des Fischerdorfes verlor ich rund zwei Spielstunden und war dementsprechend verärgert. Dark Souls, ick hör´ dir trapsen. Also: Regelmäßige Übernachtungen im Gasthaus machen schon alleine aufgrund des Speichersystems Sinn. Die weiteren Speicherpunkten helfen euch nur weiter, wenn ihr „normal“ das Spiel beendet, also nicht aufgrund einer für euch tödlich verlaufenden Schlacht.

Bei den Streifzügen sollte immer Vorsicht geboten sein. Neben einer Horde Ghoblins könnte euch eine Hydra oder ein Zyklop hinter dem nächsten Felsen auflauern.

Dragon´s Dogma ist ein Open World-Spiel, weswegen wir über Freiheiten verfügen, die uns ein lineares Game kaum bieten kann. Dies gilt ganz besonders für Dragon´s Dogma und hängt mit dem Journal zusammen. Recht schnell füllt es sich mit Quests und Missionen, wobei an manchen Stellen im Spiel nicht klar ist, ob man mit der nächsten Aufgabe möglicherweise die Hauptstory weiterverfolgt. Mit der Konsequenz, dass einige Nebenmissionen vorzeitig beendet werden könnten und ungelöst bleiben. Zwischenzeitlich war mein Journal leergefegt, weswegen ich einen Bug der monströsen Sorte befürchtete. Die Lösung: Der Gamer benutzt seinen Hirnschmalz, kombiniert ein wenig und erarbeitet sich seine nächste Mission.

Man sollte sich also früh daran gewöhnen, dass Dragon´s Dogma den Gamer nicht die Hand reicht. So gilt  für die Quests ebenso wie für das Inventar, die Partyzusammenstellung, Bewaffnung und die Kämpfe die gleiche Regel: Nur mit voller Konzentration verhindert ihr frustrierende Niederlagen. Auch wenn ich manchmal kurz davor war mit dem Gamepad um mich zu schmeißen, zog mich Dragon´s Dogma doch wieder in seinen Bann. Gerade weil es so komplex, schwierig und unbarmherzig ist. Manchmal arten Spiele in harte Maloche aus, was sicherlich nicht jedem gefallen wird. Aber solange die Arbeit noch Spaß macht und man dranbleibt, belohnt uns Dragon´s Dogma mit vielen Erfolgserlebnissen. Bis zum Ende? Darüber handelt der letzte Teil des Tagebuchs.

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