We are not alone. Eines der hervorstechenden Merkmale des von Capcom entwickelten Rollenspiels Dragon´s Dogma ist unsere Gesellschaft, die sogenannten Vasallen – die beinahe Menschen sind, nur ohne den menschlichen Funken (ich bin davon immer noch begeistert) und aus dem so genannten Rift stammen. Nachdem wir in unserem Fischerdorf schon einen ersten Vasallen aufgabelten, lernen wir kurze Zeit später im Lager endlich das Rift und weitere Vasallen kennen. Und damit auch den Umgang mit der Party im Kampf und somit die wichtigsten Grundmechaniken des Spiels und des Gameplays. Das sollten wir schon alles beherrschen, um den Drachen zu besiegen.

Nach Berührung des Riftsteins können wir aus den verschiedenen Vasallen, die sich uns anbieten, die für uns passenden rekrutieren. Zudem erstellen wir uns noch einen Hauptvasallen, den wir im Editor mit den gleichen Fähigkeiten ausstatten können wie unseren Helden – und der uns das Spiel lang treu bleibt und nicht ausgewechselt werden kann. Er oder sie kann also Kämpfer, Streicher oder Magier sein (nähere Erläuterungen zu den Laufbahnen findet ihr hier) und über die gleichen speziellen Fertigkeiten verfügen. Visuell ist das Rift als spaciger Ort einfach, aber ansehnlich gestaltet worden. Diese kosmische Dimension steht Dragon´s Dogma als eher klassischen Rollenspiel sehr gut, denn es bringt zusätzliches Leben ins Spiel und lockert die trockenen Bereiche damit merklich auf (wie etwa die Arbeit im und mit dem Inventar). Abgesehen von unserem Hauptvasallen sind die anderen Vasallen nicht mehr in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten veränderbar, aber da die Auswahl extrem groß ist, bietet uns Dragon´s Dogma viele Möglichkeiten, um unsere Party strategisch und den verschiedenen Kampfsituationen entsprechend zusammenzustellen. Und, wie es sich bei einem RPG gehört, sollten wir die Chancen nutzen und ein Team bilden, dass die verschiedenen Laufbahnen und Fähigkeiten abbildet.

Irgendwo im Rift. Hier wählen wir unsere Vasallen aus und stellen die Party zusammen.

Ein ausgewogenes Team hilft uns schon bei der ersten Aufgabe, die uns im Lager gestellt wird. Hat man alle Fähigkeiten in der Party, ist es kein Problem die kleinen Übungen im Parcours zu erledigen. Es geht nur darum Vogelscheuchen in einer vorgegebenen Zeit zu zerstören, wobei manche beispielsweise nur von einem Magier zerfetzt werden können. Wer erst nur eine reine Kämpfer– oder Streichertruppe beieinander hat, wird also nicht einmal die erste Mini-Mission überstehen können.

Für reine Konsolenspieler ohne Rollenspiel-PC-Erfahrung dürfte der Blick ins Inventar mit Unbehagen verbunden sein. Wer das Inventar und die Fähigkeitenbäume schon bei Skyrim zu kompliziert fand, wird bei Dragon´s Dogma verzweifeln oder an Langeweile dahinsiechen. Von der Oberbekleidung bis zu einer von gefühlt 5.000 Heilpflanzen kann alles hin und her geschoben, gekauft und verkauft werden. Das Inventar ist schon im Handling für unseren Helden nicht ganz unkompliziert, wird aber in seiner Tiefe und Breite mit der Integration der Vasallen und des Hauptvasallen potenziert. Hier trifft Dragon´s Dogma entweder euren Geschmack oder es stößt euch ab. Mir gefällt dieses schon beinahe altertümliche RPG-Inventar – nicht nur weil ich gerne mit Waffen und Rüstungen experimentiere, sondern weil mit der eigenen großen Freiheit im Spiel die Identifikation mit der Party steigt. Das ist MEIN Team, nicht das von Capcom! Schafft ein Entwickler sein Game auf solch eine Art größer zu machen, kann ich nur den Hut ziehen und applaudieren!

Kämpfer, Streicher und Magier sollten allesamt in der perfekten Party eingesetzt werden.

Auch mit einer sorgsam ausbalancierten Gruppe werden die Kämpfe vor allem gegen die monströsen Gegner knifflig. Wer glaubt, sich in Ruhe zurücklehnen zu können, während die Vasallen euren Job erledigen, ist schief gewickelt. Zum einen sollte man die Feinde im Blick behalten, zum anderen die Gesundheit eurer Mitstreiter (der Magier kann nicht gleichzeitig heilen und schießen) und man muss auch noch selbst aktiv werden. Gerade bei den Riesen und Bossen ist es Pflicht, an ihnen hochzuklettern und von dort aus auf sie einzuschlagen, um sie zu besiegen. Das ist leider von der Steuerung her frickelig umgesetzt und fehlerbehaftet. Zudem sind besonders die Kämpfe, bei denen zusätzlich noch Soldaten mitwirken extrem unübersichtlich. Hier heißt es klaren Kopf zu behalten und gezielt die eigenen Fertigkeiten einzusetzen. Denn: Setzt der Streicher beispielsweise den Scharlachroten Kuss ein, verliert er stark an Ausdauer. Ist die Ausdauer ganz weg, muss sich unser Held ungeschützt auf dem Schlachtfeld erst einmal erholen. Was zumeist mit dem Tod des Helden endet.

Wer aber das Kampfsystem mit seinen Vasallen verinnerlicht hat, kann die Reise zum Drachen und die Suche nach dem Herzen des Helden beruhigt fortsetzen und sich verstärkt der Story und den Missionen widmen – die im nächsten Teil des Dragon´s Dogma-Tagebuchs genauer unter die Lupe genommen werden.

Hier geht es zu Dragon´s Dogma: Day 1

Hier geht es zu Dragon´s Dogma: Day 2

Hier geht es zu Dragon’s Dogma: Day 4