Jetzt also geht Slightly Mad Studios fremd und macht Test Drive Unlimited: Ferrari Racing Legends. Vielleicht ist jemanden aufgefallen, dass weit und breit nichts von einem kommenden Need for Speed: Shift 3 zu hören ist? Entweder lag es daran, dass EA mit dem Erfolg und dem Gameplay des letzten Teils nicht zufrieden war – oder Slightly Mad Studios waren schon mit Test Drive Unlimited: Ferrari Racing Legends beschäftigt. Ich glaube nicht an Letzteres, denn auch wenn der neue Test Drive Unlimited-Ableger sicherlich nicht dahingerotzt wurde, ist es augenscheinlich keine eigenständige Rennsimulation, die von langer Hand geplant wurde. Es ist ein abgespecktes Shift 2, dass weder den Glanzzeiten von Test Drive Unlimited noch der Marke Ferrari gerecht wird.

Wobei der Racer zwei Glanzpunkte setzt: Erstens werden wir mit einem opulenten Assassin´s Creed-Gedächtnis-Choral im Spiel begrüßt. Kein Hardrock, keine wummernde Bässe, sondern barocke Ferrari-Musik. Interessant. Zweitens beginnen in der Kampagne die Rennen und Herausforderungen in einer wirklich sehr fein anzuschauenden Sepia-Optik, die sekündlich an Farbe gewinnt und uns von der Ferrari-Vergangenheit in die Gamer-Gegenwart führt. Wobei die Kampagne in drei Abschnitte unterteilt wurde: Die Goldene, Silberne und Moderne Ära. Was bedeutet, dass wir die Ferrari-Geschichte seit 1947 in originalgetreuen Wagen auf historischen und Neuzeit-Strecken nachspielen können. Als weitere Modi gibt es die obligatorischen Schnellen Rennen, Solo-Zeitrennen und den Multiplayer, den ich aber nicht antesten konnte, weil ich alleine auf weiter Flur war.

Die Goldene Ära hat Stil, auch in Test Drive Unlimited: Ferrari Racing Legends. Wobei die Ingame-Grafik nicht annähernd so knackscharf ist wie bei diesem Hersteller-Screenshot.

Wer aber glaubt, dass die Ferrari-Historie spannend und lehrreich präsentiert wird, muss schon Freund von langweiligen und lieblosen Texttafeln sein. Es ist unfassbar, wie viel Potenzial und Atmosphäre an dieser Stelle verschenkt wurde. Niemals, zu keinem Zeitpunkt im Spiel, hatte ich das virtuelle Gefühl, für Ferrari zu fahren – und an gutem Willen hat es wahrlich nicht gemangelt. Auch Erfolge werden hoffentlich beim echten Ferrari-Team enthusiastischer gefeiert als im Spiel. Da passiert nämlich gar nichts. A propos Enthusiasmus: Den muss man Slightly Mad Studios leider absprechen. Konnte mich Need for Speed: Shift noch begeistern, geht es bei dem britischen Studio seitdem konstant abwärts. Die Probleme, die schon bei Shift 2 auftraten, verschärfen sich nun noch einmal, während man nach den alten Stärken vergeblich sucht.

Die Fahrphysik ist beispielsweise in den Kurven bemerkenswert, um es diplomatisch auszudrücken. Ich wünschte mir Spikes. Die Wagen rutschen schneller weg als bei jedem Rallyspiel auf Winterkursen mit Sommerreifen. Die Gegner sind durch die Bank Rüpel, so hart wird nicht einmal ansatzweise in der Realität gefahren. Die Grafik ist matschig, da die alte Engine von Shift 2 ohne sichtbare Verbesserungen wiederverwendet wurde. Außerdem verdient das Balancing nicht seinen Namen. Während bei Shift 2 durch das Tunen des eigenen Flitzers das Balancing durcheinandergeriet, verzichtete man hier direkt auf Möglichkeiten, manuell die Fahrleistungen zu verbessern und „balancierte“ stattdessen die Silberne und Moderne Ära sogar auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad konsequent in Richtung unspielbar. Es kann nicht sein, dass die härteste Stufe in der an sich noch gut gelungenen Goldenen Ära leichter ist als die leichteste in der Modernen und Silbernen Zeit. Das passt vorne und hinten nicht zusammen. Und auch aus diesem Grund ist mir bei diesen beiden Epochen schnell die Lust vergangen.

Monte Carlo. Seid froh, wenn ihr die Gegner bei den Verfolgungsrennen in der Silbernen und Modernen Ära überhaupt zu Gesicht bekommt.

Eigentlich möchte ich nicht über schlechte Spiele schreiben. Aus Prinzip. Das ist verschenkte Lebenszeit. Es soll jetzt auch genug sein. Dafür lobe ich lieber noch einmal den Höhepunkt des Schaffens von Slightly Mad Studios, nämlich Need for Speed: Shift. Und nichts davon findet ihr in Test Drive Unlimited: Ferrari Racing Legends. Gar nichts. Wie zum Beispiel dieses unerreicht direkte und unmittelbare Fahrgefühl. Jede Bodenwelle, die man mitnahm, war bei Shift spürbar. Durch Verzerrungen und Unschärfen wurde ein bis dahin nicht erreichtes Geschwindigkeitsgefühl realisiert. Bei den Crashs wummerte und fiepte es nicht nur höllisch aus den Boxen, sondern gerade in der Cockpitansicht wurde einem beinahe übel, so realistisch wirkten die Unfälle. Überhaupt der Sound: Es röhrte, brummt und zischte aus allen Ecken, dass es eine Freude war. Auch wenn die Fahrphsysik schon damals nur bedingt realistisch war, fühlte sich dafür das Fahren aufregend echt an. Und man wurde belohnt für exaktes Fahren. Kaum eine Herausforderung reizte mich so sehr, wie die „Perfekten Kurven“ in Shift zu fahren. Wer darauf keine Lust hatte, wurde eben für seine Rüpeleien belohnt. Man hatte immer das Gefühl, der Entwickler weiß genau was er macht und hat den Gamer mit seiner speziellen Fahrweise im Auge. So war das damals.

P.S.: Vielleicht bemerkte der ein oder andere Rennsportfreund, das Test Drive Unlimited: Ferrari Racing Legends nicht beworben wurde. Ihr findet auch keine Previews. Aus Gründen.