Der Sinn des Reisens ist es, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein. Sagte Theodor Heuss und in diesem Sinne starte ich nun mein monumentales DayZ Wandertagebuch. Einmal zu Fuß quer durch Chernarus, mit Blick auf Sehenswürdigkeiten, Gefahren, Loot und der Hoffnung auf einige typische DayZ-Momente. Wenn alles anders kommt als gedacht, wenn das Blut vor Schreck in den Adern gefriert, wenn überraschender Weise nichts passiert oder man die seltsamsten Tode stirbt. Und sich dabei selbst ein bisschen besser kennenlernt; das ist auf einer „realen“ Wanderung nicht anders als in Chernarus. Nur stehen DayZ-Spieler vor größeren Herausforderungen als der Real Life-Wanderer, der die Hügel in der Eifel oder im Sauerland auf und ab tigert (was aber auch sehr schön ist). Wie dem auch sei, jetzt geht es los mit der ersten Tour des DayZ Wandertagebuchs, die natürlich am Spawnpunkt beginnt.

DayZ Wandertagebuch: Tour 1 Solnichniy-Dolina-Shakhovka-Staroye

Aufgewacht vor den Toren von Solnichniy, nur wenige Meter von der kleinen Brücke im Norden entfernt. Und nein, nicht jeder Anfang hat seinen eigenen Zauber, denn mich versetzt er in DayZ in eine leichte Stress-Stimmung. Und das aus drei Gründen. Erstens: Ich bin unbewaffnet und habe keine Ahnung, wie viele Menschen oder Zombies gerade Solnichniy unsicher machen. Zweitens: Ich habe weder etwas zu essen noch zu trinken. Drittens: Die Kleidung (Jeans, T-Shirt) ist denkbar subotpimal um all die Waffen, Gebrauchsgegenstände und Medizin, die ich auf der Wanderung aufzusammeln gedenke, aufzubewahren. Bei allen anfänglichen Avatar-Defiziten: Das ist DayZ in Reinkultur, wenn man sich unbewaffnet kaum traut, eine Stadt zu erkunden, weil man niemanden auch nur das Geringste entgegensetzen kann. Flüchten wäre meine einzige Alternative. Aus dieser Schwäche heraus plane ich erst einmal einige Routen, die abseits der großen Küstenstädte verlaufen. Ist besser und sicherer so, daher wähle ich den Weg nach Staroye über Dolina und Shakhovka. Aufregend genug dürfte es trotzdem werden, denn in DayZ spielt sich Survival auf dem Land ab, in der Stadt findet sich der Überfluss und in den Militärbasen der Krieg. Kommt alles noch, zu seiner Zeit.

DayZ Wandertagebuch Tour 1 SolnichniyEin Blick auf Solnichniy, Startort des DayZ Wandertagebuchs, aus südwestlicher Perspektive. Es ist nicht die aufregendste Stadt in Chernarus, eher ein zu groß geratenes Fischerdorf mit einem kleinen Anteil verarbeitender Industrie.

Zuerst geht es zur Hafenanlage, wo ich direkt fündig werde. Nun nenne ich eine Firefighter Axe mein Eigen. Eine gute aber schwere Waffe, bei der in der Regel ein einziger Hieb ausreicht, um einem Zombie den Garaus zu machen. Ansonsten wandern Arbeitshandschuhe, Black Ushanka-Mütze und die prollige Rocket-Porno-Aviator-Sonnenbrille in mein kümmerliches Inventar. Später in den Häusern verwandele ich Jeans in Rags, also in halbwegs gute Verbände und zische mir ein Zluta Klassik Soda Dose. Schließlich meldet sich jetzt schon verstärkt der Durst. Zu essen habe ich immer noch nichts, denn die Rotten Kiwis und Rotten Bananas lasse ich mal schön links liegen. Wer will sich schon direkt am Startort des großen DayZ Wandertagebuchs eine Lebensmittelvergiftung einfangen? Ich nicht. Und während die Häuser nicht ganz soviel an Loot wie erhofft hergaben, legte ich meine Hoffnung in die große Lagerhalle von Solnichniy im Nordern, wo aber alles anders kam als gedacht. Die DayZ-Momente eben.

DayZ Wandertagebuch Tour 1 Solnichniy erste ZombiesDa ganz hinten! Schräg links hinter dem Verkehrsschild. „Meine“ ersten beiden Zombies auf der DayZ-Wandertour.

Zombies! Seltsame Zombies, ich vermute meine Premieren-Zombies auf der Tour waren Bug-Zombies. Sie standen da nur bewegungslos neben den Hütten herum und verharrten dort. Sollen sie doch. Irgendwie beruhigt schlendere ich, vorsichtshalber noch mit der Firefighter Axe in der Hand, in die Lagerhalle, die aber leider leergeräumt ist. Stahltreppe hoch, vielleicht findet sich ja noch was Feines im kleinen Büroraum. Und als ich oben ins Büro reingehen möchte, erschrecke ich mich halb zu Tode, als plötzlich jemand vor mir steht. Da wollte wohl gerade ein Mitspieler in der gleichen Sekunde aus dem Büro raus, als ich rein ging. Reflexartig schlage ich zu. Und da liegt sie dann vor mir, die asiatische Avatarfrau und mich überkommt ein ganz massives schlechtes Gewissen. DayZ Map Wandertagebuch Tour 1Die Frau war unbewaffnet, wohl vor noch kürzerer Zeit als ich gespawned und hatte nichts, aber rein gar nichts bisher aufgesammelt – womit sich glücklicher Weise immerhin das Thema Leichenfledderei nicht stellte. Aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eigentlich hoffte ich auf eher aufmunternde, bereichernde und nette Begegnungen mit Menschen (auf dem Lande vielleicht eher möglich als in der Stadt), aber der große Wandersmann und Tagebuchschreiber meuchelt dann direkt die erste dahergelaufene, unbewaffnete Frau. Scheiße, echt jetzt. Die erwähnten, besonderen DayZ-Momente müssen nicht zwangsweise nur skurril und positiv besetzt sein, sondern werfen manchmal ein ungutes Licht auf einen selbst. So wie jetzt. Wirklich, ich hätte mich gerne entschuldigt, denn das war weiß Gott kein Akt der gerechten Selbstverteidigung, sondern eine Dummheit aus nackter, kindischer Panik heraus. Kein guter Start. Durchatmen, auf die Map schauen und weitermachen.

DayZ Wanderführer Tour 1 Solnichniy SteinbruchSolnichniys bedeutsamste Sehenswürdigkeit: Der Steinbruch. Loot=Null.

Auf zum Steinbruch, um an der touristisch gesehen größten Sensation ein Foto zu knipsen. Mit einem immer noch drückenden schlechten Gewissen mache ich mich auf, um die restlichen Häuser in Solnichniy zu begutachten. Wobei so langsam auch die Zeit drängt, denn es ploppt die Meldung auf, dass ich nun wirklich mal etwas trinken sollte. Habe aber nichts zur Hand. Zum Glück gibt es eine Wasserpumpe in der Stadt, die ich nun als nächstes ansteuere. Dann rüber über die Schienen und nun bessert sich die Lage: ich finde ordentliche feste Working Boots, die ja immerhin schon mal wie Wanderschuhe aussehen. Zusätzlich nehme ich noch eine Dose Soda mit, einen Kompass (in seiner Wichtigkeit nicht zu unterschätzen, erst recht für einen Wandersmann!) und mache mich auf den Weg gen Westen ins Binnenland in Richtung Dolina. Als ich den See passiere, rege ich mich darüber auf, in Solnichniy weder eine auffüllbare Trinkflasche noch einen Rucksack gefunden zu haben. Ärgerlich ist das. Aber auch kein Grund um unaufmerksam zu werden. Wurde ich aber, denn genau wie beim Real Life-Wandern tänzeln auch bei den längeren Strecken in Chernarus irgendwann die Gedanken frei umher und als dann in der kleinen Industrieanlage/Siedlung vor Dolina plötzlich zwei Zombies vor mir standen, war ich nicht schnell genug. Die Firefighter Axe hatte ich nämlich weggesteckt, um schneller laufen zu können und so bekam ich im Infight ein paar Kratzer ab. Nicht schlimm, wie sich herausstellte, denn mit den Rags wurde die Blutung gestillt. Aber das sollte mir eine Warnung sein. So kann es nicht weitergehen. Erst eine unbewaffnete Frau töten und sich dann während einer Tagträumerei von Zombies verhauen lassen (bevor ich die Beiden in die Ewigen Jagdgründe schickte, natürlich). So wird das nichts mit einem von Heldentaten berichtenden DayZ Wandertagebuch.

DayZ Wanderführer Tour 1 DolinaDolina schien ein Anhängsel von Solnichniy gewesen zu sein. Keine Landwirtschaft oder Industrie, dafür Lagerhallen, die wohl für den Fischfang nützlich waren.

Dolina ist klein, ganz urig, aber eher ein DayZ-Durchschnittsdorf als ein touristisch wertvolles Wanderziel. Aber: In Dolina fand ich meinen Rucksack. Was für eine Erleichterung, denn endlich kann ich nun schwer tragen. Erst einmal nehme ich außer verdörrtem Obst alles mit, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Sogar einen Kugelschreiber. Aber auch Schmerztabletten, Trinkdosen, Spaghetti, Sardinen, Thunfisch, Antibiotika und Alkoholtinktur. Das Ganze nimmt langsam Formen an und ich fühle mich nun besser gewappnet für den längeren Marsch nach Shakhovka. So unspektakulär Dolina als Dorf sein mag, so entpuppte es sich als wahre Loot-Fundgrube. Zum ganz großen Glück fehlte nur noch eine Schusswaffe, aber nun gut, die findet man sicherlich nicht an solch einem Ort.

DayZ Wanderführer Tour 1 einsame Hütte nahe ShagovkaEine einsame, verlassene Hütte zwischen Dolina und Shakhovka.

Polana schenke ich mir (noch) bei meiner Zickzack-Route, lasse auch erst einmal den Feldweg nach Staroye aus, biege einfach links ab und laufe querfeldein über Wiesen und durch kleine Wälder. In solchen Momenten, in denen nun in der DayZ Standalone auch die Technik mitspielt, strahlt das Spiel eine unvergleichliche Schönheit aus. Am liebsten würde ich jetzt ins Sauerland, um dort eine echte Wanderrunde zu drehen, aber erstens ist es dafür zu kalt und zweitens schreibe ich hier ein DayZ Wandertagebuch und dazu gehört Real Life-Disziplin.

DayZ Wanderführer Tour 1 ShagovkaEin lauschiges Örtchen ist Shakhovka. Landwirtschaftlich geprägt, aber ohne große Funde für mich, leider. Außer dem einen, nächsten DayZ-Moment.

Shakhovka wirkte auf mich verlassen und war leider auch völlig abgegrast. Pech gehabt, kann vorkommen. Von Haus zu Haus streifte ich immer missmutiger, denn es war einfach nichts zu holen. Außer Motorradhelmen und verfaultem Obst. Und Rucksäcken. Geht es nur mir so mit dem trügerischen Eindruck, dass man erst keinen Rucksack findet, aber wenn man einen hat, dann in jedem dritten, vierten Haus noch einen? Und so schlenderte ich gelangweilt durch die paar Häuser von Shakhovka und sah plötzlich im Augenwinkel den Herrn, der sich im großen Wohnzimmer eines Hauses umschaute. Eindeutig mit einer MP bewaffnet. Und da ich seine Schritte auf dem Dielenboden vernahm, hörte er wohl auch meine, als ich einen Schritt zurück machte und mich dann vor bzw. neben der Wohnzimmertür in der Diele mit gezückter Firefighter Axe positionierte. Wollen wir doch mal sehen, wer hier den Showdown übersteht, dachte ich mir, aber es passierte erst einmal nichts. Geduld, Geduld, mahnte ich mich selbst. Aber dann wurde es mir zu bunt, ich beschloss eine Flucht vorzutäuschen, in dem ich erst zickzack aus dem Haus rauslaufe, um dann am Eingang auf den Herrn zu warten und zuzuschlagen. Kurz keimte der Gedanke auf, vielleicht doch (sozusagen als Wiedergutmachung zu meinem Mord) auf einen friedlichen Dialog zu setzen, aber dafür sollte die Bewaffnung schon ausgeglichen sein. Und das war sie eindeutig nicht. Er kam nicht aus dem Haus und so entfernte ich mich dann vorsichtig, hörte plötzlich ein deutsch ausgesprochenes „Hallo? Hallo?“ aus dem Sprachchat, ignorierte das und sah den Mann nie wieder. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

DayZ Wandertagebuch Tour 1 StaroyeDas Ortsschild von Staroye, dem Ziel der ersten Tour meines DayZ Wandertagebuchs.

Was mich zu einer interessanten Frage führt: Töten sich Deutsche, die sich zuvor nicht kannten und plötzlich begegnen seltener als bei Konfrontationen, in denen sie sich sprachlich schlechter verständigen können? Mein Gefühl sagt mir JA, aber dann denke ich daran, dass die größte Statue der Welt eine Buddha-Statue in China ist, die zweitgrößte die Freiheitsstatue in den USA und Nummer 3 ist, na ja, das Herrmannsdenkmal in Detmold. Dort Meditation und Freiheitswille, hier der große Mann mit dem Schwert. Das heißt doch was. Oder? Ich beschließe, den Mann nicht aufzuspüren um ein kleines Schwätzchen zu halten (oder mich naiver Weise abballern zu lassen) und mache mich auf den Weg nach Staroye, dem Endpunkt der ersten Wanderetappe.

DayZ Wanderführer Tour 1 Kirche StaroyeEndlich mal wieder ein touristisches Highlight! Die Kirche von Staroye, oben auf dem Hügel thront sie über der kleinen Stadt.

Staroye ist landwirtschaftlich geprägt und ähnlich groß wie Dolina und Shakhovka zusammen. Ganz heimelig zwar, aber auch voller Zombies. Glücklicherweise laufen sie einzeln auf mich zu, einer von links, eine von rechts, dann von vorne und später einer von hinten. So stehe ich dann da und knüppel sie mit der Axt nieder. Klingt routiniert, ist es aber noch nicht so ganz. Das Adrenalin schießt mir zwar noch ins Blut, aber die Firefighter Axe gibt mir langsam derart viel Sicherheit, dass der Stresspegel deutlich sinkt. In Staroye finde ich ordentlich Nahrung und endlich zwei auffüllbare Plastikwasserflaschen, die ich direkt an der örtliche Wasserpumpe auffülle. Zombies tot, kein menschlicher Bösewicht in Sicht, der Rucksack ist prall gefüllt und so denke ich mir am Ziel der ersten Tour für mein DayZ Wandertagebuch, dass eigentlich nichts mehr schief gehen kann auf der nächsten Etappe. Aber natürlich kommt es anders.

DayZ Wandertagebuch Tour 1 Zombie StaroyeUnd am Ende der ersten Wanderung gab es dann noch ordentliche Zombie-Schnetzeleien.

Und das passiert (unter anderem) bei der zweiten Tour des DayZ Wandertagebuchs von Staroye über Msta, Rog und Tulga nach Kamyshovo: Ich werde sterben! Echt jetzt! Was für ein Mist! Das ich hier nicht jungfräulich raus komme, war klar. Aber doch nicht so! Jedoch bleibt mein Tod mitsamt Reinkarnation nicht das einzige Abenteuer (wenn denn der Tod ein solches ist).

Zusammenfassung des DayZ Wandertagebuchs Tour 1:

Sehenswürdigkeiten: Steinbruch, Kirche und natürlich die schönen Wälder und Wiesen

Zombies: Circa 15, dabei ein Mal von zwei Zombies verwundet worden.

Menschen: 2. Eine Frau getötet, von einem Mann friedlich entfernt

Vegetation + Wege: Wiesen, Wälder, Straße, Feldwege.

Schwierigkeit: Einfach bis mittelschwer, letzteres auch nur aufgrund verstärktem Zombieaufkommen in Staroye.

Dauer: 4 Stunden

Alle Etappen des DayZ Wandertagebuchs auf einen Blick:

Tour 1: Solnichniy-Dolina-Shakhovka-Staroye

Tour 2: Staroye-Msta-Rog-Tulga-Kamyshovo

Tour 3: Kamyshovo-Pusta-Mogilevka-Nadezhdino

Tour 4: Nadezhdino-Novoselky-Dubky-Prigorodki-Cherno

Tour 5: Cherno-Chapaevsk-Balota-Komarovo-Kamenka

Tour 6: Kamenka-Pavlovo-Zelenogorsk-Sosnovka-Myshkino

Tour 7: Myshkino-Pustoshka-Lobation-Airfield-Grozovoy Pass

Tour 8: Grozovoy Pass-Neues Dorf Nordwesten-Vybor-Militärbasis Vybor-Kabanino-Grishino