Tausende Spiele berührt und nichts ist passiert. So ungefähr schaute er eigentlich aus, mein Monat März. Flattrig und inkonsequent. Bis sich die Liebe auf den ersten Blick die Ehre gab, die da Bloodborne heißt und nahezu alle anderen von mir geschätzten Spiele ins ferne Reich des Großen Egals schickte. Das mag mal ungerecht sein, wie beispielsweise bei Cities Skyline, oder aber mehr als berechtigt, wie beim seltsam irrelevanten Sid Meier´s: Starships.

Der März begann mit wunderbarer Quasi-Retro-Glückseligkeit. Denn endlich, endlich, erhaschte Dishonored meine volle Aufmerksamkeit. Oftmals geht mir im Vorlauf eines Spiels das Marketing-Gewitter dermaßen auf den Zeiger, dass ich nicht die rechte Lust habe, eine Vorbestellung direkt nach Release zu spielen. Bei Dishonored war es so. Leider, denn es hätte meine Zuneigung direkt verdient gehabt. Dann geriet es in Vergessenheit bzw. in meinen viel zu prall gefüllten Pipeline-Ordner auf Steam und versackte dort. Dishonored ist jedenfalls ein fabelhafter Steampunk-Schleicher, bei dem von der Spielwelt über die Atmosphäre bis zum Gameplay alles am richtigen Platze ist. Perfekt. Und es ist zumindest auf dem PC erstaunlich gut gealtert. Die DLCs hatte ich mir vorausschauend bei diversen Sales für nicht einmal einem Appel und Ei mal unter den Nagel gerissen und werde sie beizeiten genießen. Yep, genießen, das meine ich auch so.

Nun, Genuss passt vielleicht nicht so ganz zu Evil Within, dafür ist es zu böse und krank. Aber es ist auf verdammt gute Art und Weise fies und kaputt. Jedenfalls ist Evil Within mein liebster spontaner Gebrauchteinkauf bei ebay, den ich je machte. Keine Ahnung, warum sich so viele an der Kamera und den Schwarzen Balken störten. Hallo, lieber Kinners, das ist Gameplay und Atmosphäre, das gehört zum Spiel und macht es (noch) besser! Evil Within hat einen eigenen Stil, obwohl es sich offensichtlich an diversen Genrevorbildern anlehnt. Aber es spielt sich wie ein echter Horrorschocker und fühlt sich genauso an. Das ist eine Leistung, vor der ich meinen Hut ziehe. Mit Evil Within bin ich noch nicht durch, weil mir Bloodborne vor die Flinte kam. Gut so, in doppelter Hinsicht. Weil es Bloodborne gibt und ich mich danach wieder mit Evil Within beschäftigen darf. Und auch mit Assassin´s Creed Unity, das womöglich gar nicht so fürchterlich ist wie ich dachte.

Naaaa, Hübsche?
Naaaa, Hübsche?

Ganz ausführlich und mit großem Enthusiasmus habe ich mich jeder Episode von Resident Evil Revelations 2 gewidmet (1,2,3,4). Mittlerweile glaube ich, dass es kein Resident Evil-Videospiel geben kann, bei dem die genervte Kritikerblase einfach mal Beifall klatscht und das Rumgenöle gut sein lässt. Resident Evil Revelations 2 wagt für das Franchise tatsächlich ein paar neue Schritte – vom Serienformat bis hin zum Koop mit der KI – und packt sie hochprofessionell auf eine gestandene und funktionierende Horror-Gameplay-Basis. Yep, das ist nicht der allerallermodernste Schrei, vor allem mit Blick auf die braun-graue-Unreal Engine 3-mäßige Optik (die ich persönlich super finde), aber es ist stimmig und bereitete mir eine große Freude. Wie übrigens auch Tormentum: Dark Sorrow, über das ich bereits ausführlicher schrieb und das atmosphärisch ganz weit oben mitspielt.

Drüben bei polyneux berichtete ich über meine Erfahrungen mit den neuen Heists bei GTA Online. Bezeichnender Weise habe ich es seit meiner Review – oder was immer das ist – keine einzige Sekunde mehr gespielt. Die Heists sind schon ok, die Ladezeiten aber so gar nicht und viele der mir unbekannten Mitspieler, nun, irgendwie auch nicht. Man muss ja nicht immer nur Menschenfreund sein, nicht wahr? Außerdem darf man zwangsweise gut bewertete Spiele nicht entsprechend gut finden. Genau zwei faire Stündchen gab ich Mordor und kann damit immer noch nullkommanichts anfangen. Gleiches gilt für Dragon Age Inquisition, das sich für mich gameplaytechnisch wie ein MMO anfühlt, aber keines ist – was ich zwar super finde, weil ich mit klassischen MMOs bislang wenig anfangen konnte, aber trotzdem Mist ist, weil es nun mal MMO-artig daherkommt. Mir doch egal, wo es überall Spiel des Jahres ist, bei mir wird es für Dragon Age Inquisition wohl (leider?) nur zum King of the Pile of Shame reichen. Mit Mordor als traurigem Prinzen.

stranded deep märz
Meine Insel, mein Schlauchboot, mein Ruder.

Eine ausführlichere Review zu Stranded Deep kommt noch, aber bis Bloodborne habe ich immer mal wieder gerne reingeschaut, auch wenn ich kaum weiß warum. Abgesehen von Haien gibt es als natürliche Feinde dieses Survival-Abenteuers nur die eigene Blödheit, die dann aber gnadenlos zuschlägt. Das scheint mir zu gefallen. Ja, genau, ich bin öfter als nur ein einziges Mal von einer Palme gefallen. Kaum eine Chance hatte, weil zu komplex für meine damalige fahrige Spielstimmung, das sicherlich gute Cities: Skylines. Außerdem war ich gerade mit Gettysburg fertig und wurde von einer rätselhaften Strategiespiel-Müdigkeit befallen, der auch Endless Legends und Age of Wonders 3 zum Opfer fielen. Der Football Manager 15 aber selbstverständlich nicht, und ja, natürlich ist der FM 15 vorrangig ein Strategietitel und erst nachrangig ein Sportspiel.

Und sonst? Zwei Überraschungen gab es, eine schlechte und eine gute. Sid Meier´s Starships ist die schlechte und zwar eine schlechte der ganz miesen Sorte. Vielleicht ist dieses Spielchen gut ausbalanciert, das mag wohl hinhauen, aber es ist ein Casual-Kack, mit dem ich wohl nichts mehr zu tun haben mag. Hinterrücks aus dem Nichts kam dagegen Counterspy, das auf der PlayStation Vita ebenso eine gute Figur macht wie auf der PlayStation 4. Als prozedural generierter 2D-Baller-Schleicher mit ordentlich ansteigendem Schwierigkeitsgrad reizt es mich zwischendurch – trotz Bloodborne, übrigens – immer mal wieder zu einer kurzen Runde. Auch wenn ich grundsätzlich extrem ungerne „danke“ in Richtung eines Publishers oder Entwicklers rufe, wo kommen wir denn hin, werde ich es in diesem Fall machen. Und noch in einem anderen, ganz besonderem Fall. Danke, Sony. Für Counterspy als PlayStation Plus-Titel und natürlich für Bloodborne. Habt ihr gut gemacht bzw. machen lassen.