Schon wieder ein Drache. Sollte nicht aus Respekt vor dem majestätischen Skyrim eine mehrjährige Drachenpause eingelegt werden? Was kann Publisher und Entwickler Capcom dem RPG-Genre durch die x-te Verwendung des Drachenthemas hinzufügen? Vielleicht eine neue Perspektive. Mit Dragon´s Dogma erleben wir das erste westliche J-RPG, wenn man es so bezeichnen möchte. Eine interessante Premiere – und hoffentlich mehr Erfolg als Flop.

Einen ersten Bruch mit unserer westlichen Rollenspiel-Tradition erleben wir schon vor dem eigentlichen Spiel. Nach einigen Sekunden wird der Startbildschirm mit einem Mainstream-Foreigner-Gedächtnis Rock-Pop-Gedudel inklusive frontalem Klischee-Gitarrensolo hinterlegt. Von lieblichen Flötenklängen keine Spur. Wer es mag! Ich nicht. Sympathisch geht es weiter, nämlich mit einer staubtrockenen Texttafel als Story-Intro. Alle Achtung, das ist old-fashioned, das muss man erst einmal in einem Titel von dieser Größe im Jahr 2012 bringen, Respekt! Und eher wir uns versehen, stehen wir in einem Dungeon und suchen in Kisten nach Gedöns, Heilpflanzen und Geld. So wie man es kennt, mag und von einem klassischen Rollenspiel erwartet. Und man wird fündig, auch dank der Laterne, die wir als erstes im kleinteilig-bürokratisch wirkenden Inventar suchen und finden.

Der erste Boss-Kampf findet schon im Intro statt. Der Gegner ist nicht von Pappe und kein geringerer als eine ziemlich blutdürstige und aggressive Löwe-Ziege-Schlange-Chimäre.

Ehe man sich versieht, schaut uns der Drache an. Fein sieht er aus, es ist zu erahnen, dass es nur ein Häppchen Drache wird, ein kleiner Gruß. Danach ein erster Kampf mit Mini-Zwergen. Capcom setzt die Gegnergrößen in Dragon´s Dogma anscheindend sehr variabel eins. Auch ohne Männchen als Kontrast sieht der Drache beeindruckend aus und kann es mit den hervorragend animierten Skyrim-Vorbildern aufnehmen.

So abrupt wir den Drachen in Dragon´s Dogma kennenlernen, haben wir plötzlich zwei weitere Charaktere, die Vasallen, in unserer Party. Und genau hier wird es das erste Mal unübersichtlich. Drei NPCs quasseln auf englisch mächtig durcheinander und wir müssen nicht nur auf unseren stummen Helden achten, sondern noch die Untertitel-Tafeln lesen, um den Dialogen zu folgen. Passend hierzu die Info: Gespielt wird mit der AT-Version für die PS3, bei der es keine deutsche Synchronisation gibt.

Das Kampfsystem ist eingängig und dürfte niemanden überfordern. Neben leichten Angriffen gibt es auch noch die zeitraubenden schweren Attacken. Blocken und springen gehen ebenso leicht von der Hand – im Gegensatz zum Klettern. Und damit meine ich das Klettern auf den Rücken eines Gegners, was im Kampf mit der oben zu sehenden sympathischen Chimäre sehr nützlich ist. Vielleicht es Übungssache, aber der erste richtige Kampf wirkte auf mich – nicht zuletzt durch das wurschtelige Durcheinander, das die Vasallen veranstalteten – sehr unübersichtlich und intransparent.

Sieht aus wie Skyrim, ist es aber nicht.

Optisch ist Dragon´s Dogma im guten Mittelmaß einzuordnen. Kein Augenschmaus, aber akzeptabel. Die Texturen und die Körper- sowie die Gesichts-Animationen sind unscharf und nicht sehr detailliert gezeichnet. Was nicht für den Boss gilt, da hat Capcom eindeutige Prioritäten gesetzt.

Man glaubt es kaum. Mit dem ersten Bosskampf endet das erste Kapitel (!) von Dragon´s Dogma. Ich verstehe es als dezenten Hinweis darauf, das wir im weiteren Verlauf des Games noch einiges an Action erleben werden. Und uns weniger mit Dialogen die Zeit vertreiben. Aber erst einmal kommt ein Charaktereditor und danach – Skyrim lässt grüßen – erfahren wir, dass der Drachen zurückkehrt. Er wird uns das Herz herausreißen. Aber dazu mehr im nächsten Teil des Tagebuchs.

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