Runde Eins im Duell PES 2013 vs. FIFA 13 ist eröffnet. Konami stellte heute seine Demo zu PES 13 zum Download bereit und beantwortet damit erste Fragen zum neuen (?) Gameplay, der Grafik und all den Spielereien, die auch den erneuten Kauf eines Pro Evolution Soccer-Games rechtfertigen sollen. In den letzten Jahren wurden wir „nur“ zu Zeugen von jährlichen Entwicklungsschritten bei PES und FIFA (auch wenn dabei verschiedene Tempi vorgelegt wurden) und es schaut danach aus, das zumindest bei PES 2013 das Rad zwar wieder einmal nicht neu erfunden, aber doch an einigen richtigen Stellen geschraubt wurde.

Zunächst werden uns im Intro die neuen Features präsentiert. Da wäre zum Beispiel die Player ID, womit unter anderem originalgetreue Bewegungen von vielen Stars gemeint sind. Die 360° Full Control-Steuerung sollte eigentlich ein alter Hut sein und bei der Proactive AI schwante mir vornherein, dass damit nicht mehr als eine mitdenkende KI für PES 2013 gemeint ist, die letztes Jahr schon von Konami für PES 2012 vorgestellt wurde. Weitere Marketing-Wortklaubereien wie etwa Balanced Gameplay etc. sparen wir uns einfach mal. Spielbar sind in der PES 2013-Demo Freundschaftsspiele (nur offline) mit den Nationen Deutschland, Italien, Portugal und England. Zusätzlich können noch Teams aus der südamerikanischen Copa Libertadores ausgewählt werden, die mich aber aufgrund der schwächeren Teamstärken gegenüber den Nationalteams nicht weiter interessierten. Daher: Das erste Spiel als Test auf dem zweitleichtesten Schwierigkeitsgrad ging mit Deutschland gegen Italien. Natürlich.

Mutig von Konami, als Coverboy für PES 2013 den aufgrund seiner Bescheidenheit weltweit extrem beliebten Cristiano Ronaldo auszuwählen. Ich hätte EA den Messi abgekauft.

Überraschender Weise fiel die Player ID sofort auf. Und zwar spielt sich Thomas Müller tatsächlich etwas schlaksig und der PES-Mesut Özil fällt mit der gleichen leicht desinteressiert-phlegmatischen Körperhaltung auf, mit der er schon bei der EM nicht begeistern konnte. Neben den Extratricks ist Player ID sicherlich kein entscheidender Gameplay-Faktor, steigert aber die Atmosphäre von PES 2013 deutlich. Das gilt übrigens ebenso für die Präsentation der Stadien und der Zuschauer. Da ist mehr Bewegung drin und auch das Publikum geht weitaus intensiver mit als in den Vorgängern. Wer FIFA 12 spielte, wird die 360° Full Control Steuerung der Spieler nicht bemerken, weil er sie voraussetzt. Die so genannte Proactive AI ist in der Defensive identifizierbar, in der Offensive dagegen gar nicht. Schade, denn wenn man offensiv über die Flügel spielen möchte, sind mitdenkende KI-Spieler Pflicht, die sich freilaufen, in Gassen sprinten und Räume öffnen. Hier gab es in der PES 2013-Demo erst einmal einen Rückschritt gegenüber PES 2012. Trotzdem: Für Italien hat es gereicht.

Die Steuerung ist wie gehabt. Ausgenommen die X-Taste (bei der PS3), hier hat Konami genau bei FIFA 12 hingeschaut. Die Spieler zupfen nicht mehr blöde am Gegenspieler herum bis der Schiedsrichter kleinlich pfeift, sondern verkürzen den Raum und drängen den ballführenden Spieler leicht ab, bevor sie drauf gehen. Dieses neue PES-Feature sorgt für einen besseren Spielfluss und eröffnet auch taktisch in der Defensive neue Möglichkeiten. Der Pass in die Tiefe scheint feiner austariert worden zu sein, während bei den Schüssen wie eh und je der Button nur kurz angetippt werden darf und Nuancen über den Schuss in den Winkel oder Himmel entscheiden.

Bis hierhin klingt die Demo zu PES 2013 eher wie ein kleiner Gameplay-Patch zu PES 2012. Damit würde man aber Konami Unrecht geschehen lassen. Denn wenn man die erste Partie spielt, fällt sehr deutlich aus, wie sich die Spieler auffallend realistischer und geschmeidiger auf dem Platz bewegen (auch wegen Player ID). Während man bei PES 2012 manchmal das Gefühl hatte, die Spieler würde eher über den Rasen rutschen als laufen, fühlen sie sich jetzt wie annähernd echte Fußballer an. Wo aus meiner Sicht PES 2012 zuweilen zu arcadig rüberkam und FIFA 12 zu frickelig, scheint Konami mit PES 2013 geradezu in Richtung Goldene Mitte zu steuern. Wobei die Grafik übrigens kaum eine Rolle spielt, da sie enttäuschender Weise von PES 2012 kaum zu unterscheiden ist. Dafür tut es PES 2013 sehr gut, dass das Spieltempo deutlich gedrosselt wurde. Letztlich ist aber auch das Gameplay eine Frage des Schwierigkeitsgrades. Gegen England spielte ich noch ein Match auf der Stufe Superstar ohne Hilfen bei Schuss und Pass. Während der Gegner wunderbare Angriffe fuhr und herrliche Tore schoss, ging bei mir wenig. Leider sind Pässe und Schüsse in den Regionen, wo die Luft besonders dünn ist, nur Glückssache. Eine Hundertstelsekunde mehr oder weniger beim Druck auf den Button sollte nicht über die Qualität eines Passes oder Schusses entscheiden. Hier könnte sicherlich cleverer mit verschiedenen Schwierigkeiten jongliert werden, ohne dem Spiel die Geschmeidigkeit und damit seine größte Stärke zu nehmen. Aber: Gespielt wurde nur die PES 2013-Demo, es ist nicht das finale Produkt.