Scheinbar konnte es nicht einfach so mit Lara Croft und Tomb Raider weitergehen, sondern ein Reboot musste her. Einen solchen Neustart kennen wir von vielen Kinofilm-Franchises wie etwa von Batman, aber zuletzt auch von Devil May Cry, dessen Neuausrichtung nicht ganz konfliktfrei über die Bühne ging. Abgesehen davon, dass Tomb Raider trotz des Reboot-Labels natürlich den schweren Rucksack des uralten und massiv verklärten Originals schleppen muss, kämpft es zusätzlich noch mit einer trostloseren jüngeren Vergangenheit der Serie. Das sind wahrlich nicht die unkompliziertesten Voraussetzungen für das “neue” Tomb Raider. Publisher Square Enix und Entwickler Crystal Dynamics müssen schauen, dass sie das Franchise nicht zu Grabe tragen - was aber zu verhindern sein könnte, indem sie einfach ein richtig gutes Spiel abliefern, bei dem es keine Rolle spielt, ob es eine Fortsetzung, ein Reboot oder sonstwas ist.

Mit einem mehrteiligen Tomb Raider-Tagebuch á la Max Payne 3-Diary schauen wir dem Entwickler genauer auf die Finger und lassen einfach mal nebensächliche Aspekte nebensächlich bleiben. Das Pseudo-Trara um Nora Tschirner als Lara Croft-Stimme ist zum Beispiel mit diesem Satz schon abgehandelt. Also: In Tomb Raider ist Lara Croft wieder jung, es geht um ihre Entwicklungsgeschichte vom Mädchen zur Frau - na ja, eher von der Studentin zur Power-Killer-Archäologin - und das wird uns alles in modernem Gewand präsentiert. So jedenfalls die Ankündigung und da modern heutzutage mit einfacher, zugänglicher, actionreicher gleichzusetzen ist, darf man bei allem Zeitgeist doch kritisch bleiben, denn eine gewisse Sperrigkeit gehört(e?) eigentlich zur DNA von Tomb Raider.

Rein äußerlich liefert Crystal Dynamics mit der neuen Lara Croft in Tomb Raider gute Arbeit ab. Einen gewissen Wiedererkennungseffekt kann man ihr nicht absprechen, außerdem wirkt sie positiver Weise nicht mehr wie ein im eigenen Spiel persiflierter Silikon-Pornostar.

Kinoreif geht es los und ehe man sich versieht, hat Lara schon einen Schiffbruch hinter sich, hängt mit dem Kopf nach unten gefesselt in einer okkult eingerichteten Höhle und rauscht bei der Befreiungsaktion in ein Messer. Alle Achtung, die Cutscenes haben ordentlich Tempo, dass muss man Tomb Raider schon lassen, nur bis man selbst spielt, vergeht eine Weile. Immerhin: Es gibt endlich mal keinen Buddy-Kumpel, der den Spieler als Tutorial-Drill-Inspector fertig macht, wie etwa bei Crysis 3 und Konsorten. Neben einem erfreulichen Tomb Raider-Retro-Feeling in der Höhle und mit der Fackel in der Hand, kämpft das Spiel anschließend mit seinem eigenen Anspruch - oder der Spieler mit dem fehlenden solchen.

It´s a Quicktime-Tomb Raider, stupid!

Dass so ein Tutorial nicht der komplexeste Teil eines Spiels ist, kann man verstehen. Aber ein bisschen mehr als hier einem Kommando (drücke Space für den Sprung) oder dort einem Kommando (drücke E für Benutzen) zu folgen, sollte drin sein. Bei aller Liebe zum grandios aufgemachten linearen Abenteuer-Spiel der Marke Uncharted, muss der Spieler nicht um jeden Preis unterfordert werden, auch nicht zu Beginn. Das interessanteste an den ersten Rätseln ist die Tatsache, dass man glaubt, es ist nur ein Quicktime-Event und erst anschließend bemerkt, dass gerade ein Rätsel gelöst wurde. Mein Belohnungssystem im Hirn schüttet bei solch einem Kinderkram jedenfalls keine Glückshormone aus.

In künstlerisch-technischer Hinsicht gibt sich Tomb Raider nach Lara´s Flucht aus der Höhle kaum eine Blöße. Was für ein Himmel! Wer übrigens ebenso wie der Autor dieser Zeilen auf digitale Himmel abfährt, sollte sich mal die Homepage von Jason Connell anschauen, der in inFamous eine ganz hervorragende Arbeit ablieferte.

Und auch wenn Tomb Raider auf seine Art einen gewissen Reiz ausübt - das schöne Far Cry 3- und Lost-Gedächtnis-Insel-Setting sorgen ebenso dafür wie das ordentlich eingefangene Abenteurer-Feeling - kann das Gameplay nicht überzeugen, zumindest zu Beginn des Spiels. Lara duckt und hält sich automatisiert an Kanten fest, die Uncharted-like auch für den größten Dummkopf erkennbar farbig markiert sind. Aufploppende Infos weisen den Weg, bevor überhaupt nachgedacht werden musste und ein so genannter Batman-artiger Überlebensinstinkt wirkt bei Tomb Raider eher lächerlich. Mein Gott, wäre es denn zuviel verlangt, sich mal einen Weg merken zu müssen? Braucht man dafür wirklich einen Überlebensinstinkt, der die Richtung weist? Nein, braucht man nicht.

Könnte es Strategie sein, dass Crystal Dynamics den Spieler in Tomb Raider erst einmal für ebenso naiv hält wie es seine Protagonistin präsentiert? Hoffentlich. Ein Tomb Raider sollte fordern und richtig gespielt werden und sich nicht auf simple Quicktime-Events mit anschließenden kindischen Hilfestellungen für die ganz Blöden beschränken. Was den Beginn von Tomb Raider betrifft, macht sich zunächst also größte Ernüchterung breit, die nicht im mindesten von den fantastischen Schauwerten und der ordentlichen Technik kompensiert werden kann. Hoffen wir, dass das Spiel die Kurve im späteren Verlauf bekommt - was das Gameplay und den lächerlichen Anspruch genauso betrifft (und ich es spiele es schon auf SCHWER!!!) wie die Story, die immerhin gar nicht so übel beginnt. Mehr dazu im nächsten Teil des Tomb Raider-Tagebuchs.

Und hier zum dritten und letzten Teil des Tomb Raider-Tagebuchs!

Be Sociable, Share!
  • more Tomb Raider: Reboot
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

2 Antworten : “Tomb Raider: Reboot”

  1. Ein bisschen anspruchsvoller wird es schon, aber wirklich nur ein wenig. Mehr dazu im nächsten Beitrag…

  2. Freut mich, dass du dich da noch nicht so leicht hast einwickeln lassen und auch einen gewissen spielerischen Anspruch erwartest. Evtl. wird das ja besser, aber nach dem, was ich bislang so gelesen habe, glaube ich da nicht so recht dran.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>